Das Museen Net

Es gibt immer etwas zu entdecken

Dienstag, 20 Mai 2014 00:00

DIE WEITGEHEND UNBEKANNTE TATSACHE DES GHETTOGELDES

geschrieben von 
Artikel bewerten
(0 Stimmen)
Ghettogeld Vorderseite Ghettogeld Vorderseite Bezirksmuseum Wien 3

Ich erhielt von einem Museumsbesucher vor einiger Zeit vier Papiere, die sich als Originale von Reichsmark- Quittungen  herausstellten, die im Lodzer Ghetto –  die nationalsozialistischen Machthaber bezeichneten den Ort mit dem Namen Litzmannstadt – verwendet wurden.

Ghettogeld Rückseite
Weil ich über dieses Detail uninformiert war, bat ich meine Freunde im DÖW um Aufklärung, die ich umgehend  erhielt:
Am 24. Juni 1940 musste der Vorsitzende des Ältestenrates der Juden in Litzmannstadt, Chaim Rumkowski, bekannt geben, dass in allen Geschäften und Betrieben, die seiner Organisation unterstellt waren, ab dem 28. Juni 1940 nur mit den von ihm herausgegebenen Markquittungen bezahlt werden konnte.
Er forderte die Ghettobewohner auf, ihre Bestände von Reichsmark und Zloty sowie ihr Gold bei der Bankabteilung des „Ältesten der Juden“ umzutauschen.
Für die Ghettobewohner bedeutete dies, dass sie Barvermögen und Gold im Verhältnis 1:1 in ansonst wertlose Markquittungen umtauschen mussten, wenn sie das nötigste zum Leben im Ghetto kaufen wollten.
Allein in der Zeit vom 27. Juni bis 31. Juli 1940 brachte der „Älteste der Juden“ 1,48 Millionen Mark an Ghettogeld in Umlauf – d.h. für diesen Betrag wurden Reichsmark in Markquittungen gewechselt.
Dieser Umtausch setzte sich in etwa gleicher Intensität in den nächsten Monaten fort, sodass der Ghettoverwaltung auf diese Weise große Reichsmarkbeträge in die Hände fielen.
Hans Biebow, Leiter der nationalsozialistischen deutschen Verwaltung des Ghettos Litzmannstadt, zeigte sich über diese Art des Vermögensentzugs bei Juden begeistert und empfahl diese Methode auch in anderen Ghettos anzuwenden, sofern man Vorkehrungen über den Umlauf des Ghettogeldes treffe: „Praktisch ist mit diesen Scheinen außerhalb des Ghettos nichts anzufangen, da es sich hier nur um Gutscheine und keine staatlich anerkannten Zahlungsmittel handelt.“
Die eigentliche Kontrolle über das Ghetto übten die nationalsozialistischen Machthaber aus, die über die Ausgabe des Geldes verfügten. Es gab Geldscheine im Wert von 0,50, ein, zwei, fünf, zehn, zwanzig und fünfzig Mark. An Münzgeld wurden Stücke zu zehn Pfennig sowie fünf, zehn und zwanzig Mark aus Aluminium und Aluminium-Magnesium ausgegeben.
Aus: Klaus-Dietmar Henke (Hrsg.), Die Dresdner Bank im Dritten Reich. München 2006, Band 3:
Harald Wixforth, „Die Expansion der Dresdner Bank in Europa“, S. 591ff .

Die Erzählung finden Sie im Museumsheft 2013/4 zu beziehen im Shop Genaustria

Gelesen 325 mal Letzte Änderung am Montag, 26 Mai 2014 14:31
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten

Unser Partner BDA

Kultur Förderer

Unsere Förderer
Kultur Kontakt - des BMfKK
Der Wiener Stadtschulrat
Die Kulturabteilung der Gemeinde Wien

Unser Shop

Eine reiche Auswahl an Büchern, Zeitschriften, DVD, Druckwerke - besuchen Sie: http://shop.genaustria.at/Buch/Daheim-in-Sitzendorf::474.html