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Das Hetztheater in der Weissgerber Vorstadt

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Der Name der Hetzgasse im 3. Bezirk erinnert an das ehemalige Hetztheater. Eine weitere Erinnerung daran ist die Wiener Redewendung Dös is a Hetz. Schon vor 1743 gab es in Wiener Vorstädten solche Einrichtungen. 1720 errichtete Galli-Bibiena und Corradini ein k.k. priv. Hetz- amphitheater, das auch die Namen Hetzhaus führte, am heutigen Heumarkt. Nachdem dieses Etablissement 1743 geschlossen wurde, bewarb sich der Franzose Carl Defraine um das Privileg zur Veranstaltung von Tierhetzen, das ihm 1755 verliehen wurde. Er ließ am Glacis etwa an der Stelle, wo die heutige Hetzgasse bei der Hinteren Zollamtsstraße beginnt, eine schmucklose, kreisrunde, dreistöckige Arena aus Holz, wo sich die Besucherlogen befanden, mit einem gemauerten Erdgeschoß, wo die Tierzwinger untergebracht waren, und einem Portalvorbau errichten. Aus zeitgenössischen Berichten erfährt man, dass die Anlage einen Fassungsraum für 3000 Besucher hatte. In der Mitte der dachlosen Arena stand ein hoher Steigbaum, auf den sich die Hetzmeister retten konnten, wenn ihnen die Tiere zu sehr an den Leib gingen (zit. Czeike "Historisches Lexikon Wien").

Hetzgasse 1 ehem hetztheater programmzettel

Die Vorstellungen fanden von März bis November an Sonn- und Feiertagen und dem Annentag - 26. Juli - statt und waren, wie berichtet wird, immer ausverkauft. Vom Hetzmeister und Hetzknechten sowie von Hunden wurden Auer- ochsen, Bären, Hirsche, Luchse, Löwen, Stiere, Wildschweine, Wölfe und andere Wildtiere zum Gaudium der Zuschauer gehetzt. Nachdem Defraine 1768 gestorben war, wurde das Etablissement zunächst von Giuseppe d'Afflisio geführt, schließlich aber von der Kaiserlichen Theatral-Direktion wegen der hohen zu erwartenden Einnahmen gekauft und verpachtet. Die Einnahmen aus der Pacht wurden der Armen- kassa zugeführt. Nachdem die Anlage am 1. September 1786 in Brand geriet, wobei fast alle Tiere zu Tode kamen, verbot Kaiser Franz II. sowohl weitere Tierhetzen als auch den Wiederaufbau der Anlage. Als 1847 das damals neue Hauptzollamtsgebäude errichtet wurde, verschwanden die Überreste des Theaters. Übrigens findet man in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek - MA 9 im Rathaus - die größte Sammlung von so genannten Hetzzetteln, wie im 18. Jahrhundert die Programme des Theaters genannt wurden; einige Exemplare besitzt die Österreichische Nationalbibliothek. Unser Bild oben zeigt einen solchen Hetzzettel.

Siehe auch auf unserer Museumsseite den Artikel

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