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Montag, 10 Februar 2014 11:47

Freilichtmuseen in Österreich Empfehlung

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Freilichtmuseum Freilichtmuseum (© Bild: geschützt )

(entnommen dem Band 48 der Broschüren Reihe Denkmalpflege in Niederösterreich)

Freilichtmuseen gehören außerhalb der städtischen Zentren zu den besucherstärksten Einrichtungen. Ihre Anlage in der freien Landschaft macht sie zudem ausgesprochen familienfreundlich. Freilichtmuseen unterscheiden sich untereinander; weisen aber auch ausgeprägte Gemeinsamkeiten auf. Sie informieren und präsentieren dreidimensional und im originalen Maßstab und erreichen verschiedenste Zielgruppen.

Die Baugruppen im Freilichtmuseum Stübing

          Freilichtmuseum  Kramsach  (© Bild:  geschützt )
                  
Was ist ein Freilichtmuseum?

In der Österreichischen Museumsdatenbank (www.museenoesterreich.at) sind unter dem Stichwort „Freilichtmuseum“ 59 Einrichtungen verzeichnet. Ein Großteil beschäftigt sich mit dem ländlichen Bauen und Wohnen. Aber auch Weinbau, Archäologie, Schifffahrt uvm. sind Schwerpunkte. Jedes Museum bietet verschiedene Zugänge zu Lebensweisen, Traditionen, Wohnkultur und Geschichte einer bestimmten Region. Traditionell sind Freilichtmuseen jedoch als Einrichtungen zu verstehen, die sich schwerpunktmäßig mit der regionalen Baukultur der vergangenen Jahrhunderte beschäftigen. Laut    ICOM-Deklararion von 1982 sind Freilichtmuseen wissenschaftlich geplante und geführte oder unter wissenschaftlicher Aufsicht stehende Sammlungen ganzheitlich dargestellter Siedlungs-, Bau-, Wohn- und Wirtschafts- formen unter freiem Himmel und in einem zum Museumsgelände erklärten Teil der Landschaft.    
         
Unterschiedliche Präsentationsmodelle
         
a)    Freilichtmuseen    
Im Österreichischen Freilichtmuseum in Stübing sind bäuerliche Bauten aus ganz Österreich ausgestellt, im Museum Tiroler Bauernhöfe, im Salzburger Freilichtmuseum Großgmain und Im Kärntner Freilichtmuseum Maria Saal werden die unterschiedlichen Hauslandschaften des jeweiligen Bundeslandes gezeigt. Das Freilichtmuseum Haag präsentiert 20 typische vorindustrielle Bauten aus dem Mostviertel, ist also regional etwas mehr eingeschränkt. Es ergibt sich kein Dorfcharakter, auch die Darstellungszeiten der einzelnen Höfe sind unterschiedlich. Ein Rauchhaus, das in seinem Zustand des 17. Jahrhunderts dargestellt ist, zeigt eine völlig andere Baukultur und Einrichtung wie der Bergbauernhof der 1950er Jahre.
         
b)    Museumsdörfer
Im Weinviertler Museumsdorf Niedersulz, im Museumsdorf Krumbach und im Dorfmuseum Mönchhof wurde die Präsentationsform eines Museumsdorfes gewählt. Ein vom Gründer idealtypisch empfundenes Dorf wird gezeigt. Mit Kirche, Dorfplatz, Schule, Bürgermeisterhaus etc. hat man noch viel mehr den Eindruck, als würde die Vergangenheit unmittelbar gegenwärtig. In den 1980er Jahren entwickelte sich eine heftige Diskussion um die subjektive, verklärte Darstellung historischer Realität in Freilichtmuseen und Museumsdörfern, In Niedersulz ist es beispielsweise mit dem neuen Eingangsportal gelungen die Nostalgie zu durchbrechen. Es entstehen neue Konzepte, die den Anforderungen an eine moderne, sich der Objektivität annähernden Vermittlung und Dokumentation der Vergangenheit gerecht werden. Ein Museumsdorf wird meist einheitlich in einer gewissen Zeitspanne gezeigt, in Niedersulz um 1900, im Dorfmuseum Mönchhof zwischen 1890—1960.

c)    Denkmalhöfe
Hier handelt es sich um musealisierte Gebäude in situ, die meist zahlreiche übrig gebliebene materiille Zeugen einer vergangenen Welt des jeweiligen Ortes oder der Region beherbergen. In Oberösterreich gibt es beispielsweise eine große Anzahl an Denkmalhöfen, die auf www.freilichtmuseen.at zusammengefasst sind.
         
Die österreichischen Freilichtmuseen im Umbruch
         
In den vergangenen Jahren ist eine Entwicklung zu erkennen, die der Individualgeschichte der Bauten verstärkt Gewicht zumisst und damit den typologischen Aspekt (Hauslandschaften) zurückdrängt.
         Eine Typenbildung in Form von Hauslandschaften ist in der heutigen Zeit auch abgesehen von den knappen Personalressourcen schwierig: Mit dem 19. Jahrhundert hat eine Entwicklung eingesetzt, die mittlerweile regionale Ausprägungen stark nivelliert hat.
           Dies wird auf längere Sicht auch Auswirkungen auf die Gesamtkonzeptionen der Freilichtmuseen haben. Bei den Besuchern ist eher ein sozialgeschichtliches Interesse vorhanden, die Anknüpfung an eigene Erinnerungen ist sehr beliebt ("das hatten wir auch noch zu Hause...")
Die unterschiedlichen Hausformen erreichen wohl nur mehr Fachpublikum.
         In deutschen Freilichtmuseen und auch in Ansätzen im Salzburger Freilichtmuseum öffnet man sieh bereits den 1950er bis 1970er Jahren, was auf großes Besucherinteresse aufgrund der ldentifkation stößt, Jahrzehntelang ging man davon aus, die Häuser möglichst authentisch einzurichten, ohne das Bild durch Beschriftungen der einzelnen Gegenstände zu stören. Auch hier ist ein Überdenken notwendig geworden — da der Großtel der Bevölkerung heute mit der vorindustriellen, ländlichen Arbeitswelt nichts mehr anfangen kann. Die Anforderungen an die Vermittlung haben sich in den letzten 20 Jahren mas siv verändert.
         Heute sieht man die Kritik seitens der Universitäten zur ganzheitlichen Konstruktion der historischen Realität in Freilichtmuseen In den l980er Jahre als notwendige Sensibilisierung und ist dazu übergegangen, die   Prasentationsmöglichkeit im Kontext und mit Erlebnischarakter als Chance zu sehen — die Funktion einer Flachsbrechel ist schließlich im Umfeld eines Brechelbades leichter zu vermitteln als in einer Vitrine.       
         Die Gratwanderung zwischen Erlebnis, Idylle und möglichst objektiver Vermittlung ist für alle Freilichtmuseen eine Herausforderung und erfordert viel Kreativität. Aktionen und Veranstaltungen sollen in das Konzept des Museums integriert werden und mit dessen Leitbild vereinbar sein. Dem Salzburger Freilichtmuseum hat beispielsweise der Bau der Museumsbahn eine Besuchersteigerung von 25 % gebracht. Die Bahn dient dem 50ha großen Museum als Transportmittel mit Spaßfaktor, sie ordnet sich aber dem Inhalt unter.
                  
 Ein breites Aufgabenspektrum

Freilichtmuseen sind verortet zwischen Hausund Bauforschung, Volkskunde, Landes- und  Agrargeschichte, haben aber auch ihren festen Platz auf dem Freizeitmarkt, in den Bereichen Tourismus und Naherholung, im allgemeinen Bildungsangebot für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, was sich in überdurchschnittlich hohen Besucherzahlen widerspiegelt. Im internationalen Vergleich mangelt es jedoch fast allen österreichischen Freilichtmuseen massiv an qualifizierten Mitarbeitern, um zumindest grundlegende Museumsstandards einzuhalten. Mit Veranstaltungen, bei denen das Museum nut als Kulisse dient, versuchen sehr oft Ehrenamtliche mit aller Kraft, zumindest das Geld für die Erhaltung aufzubringen, wie derzeit im Kärntner Freilichtmuseum Maria Saal.        
         Die österreichischen Freilichtmuseen dokumentieren und vermitteln ländliche Kulturgeschichte und damit die persönliche Geschichte des Großteils der österreichischen Bevölkerung. Sie sind unverzichtbare Elemente der österreichi
schen Kulturlandschaft, die man allen anderen Museen in ihren Ressourcen gleichstellen sollte.
Die Freilichtmuseen in Österreich befinden sich in einer Umbruchsphase, die von fachlich ausgebildeten Museumsleitern mit viel Kreativität und Geschick im Spannungsfeld zwischen Ausflugsziel und Kulturauftrag geleitet werden muss, um den Dokumentationswert für zukünftige Generationen zu erhalten.

© Die Texte entnommen dem Band 48 : Denkmalpflege in Niederösterreich. Text: Autor Fr. Mag. Monika Brunner-Gaureck, Großgmain, Salzburger Freilichtmuseum. Bild:

Alle Veröffentlichungen dieser Denkmalpflege - Reihe sind kostenlos erhältlich auf der Webseite http://www.noel.gv.at/Kultur-Freizeit/Kunst-Kultur/Kulturerbe/a_m_denkmalpflege.html

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