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Freitag, 04 April 2014 10:30

Archäologie in Bregenz – kein Bauhindernis!

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Die römischen Mauern am Bregenzer Ölrain liegen häufig unmittelbar unter der Grasnarbe Die römischen Mauern am Bregenzer Ölrain liegen häufig unmittelbar unter der Grasnarbe Bundesdenkmal

Im April konnten Mitarbeiterinnen der archäologischen Grabungsfirma Talpa (Wörgl), gefördert vom BDA, im Garten des Anwesens Kaspar-Schoch-Straße 3 in Bregenz römische Gebäudereste freilegen.

Im Bregenzer Ölrain liegen die Baureste der römischen Stadt Brigantium teilweise sehr nahe an der Bodenoberfläche. Im Zuge des geplanten nicht unterkellerten Anbau in der Kaspar-Schoch-Straße wurde der Wohntrakt eines größeren städtischen Gebäudes mit überraschend gut erhaltener Fußbodenheizung (Hypokaustum-Heizung) sowie ein angrenzender gepflasterter Innenhof freigelegt und wissenschaftlich untersucht. Obwohl der Stadtteil Ölrein von bisherigen ForscherInnen als römisches „Handwerkerviertel“ bezeichnet worden ist, zeigen die Funde, dass sich schon damals die „Mittelschicht“ einen beschränkten urbanen Luxus in ihren Wohnräumen leistete.
Für den Anbau bildeten die Grabungen kein Hindernis, da die Mauern aus dem 2. Jh. n. Chr. wissenschaftlich dokumentiert wurden und nun wieder zugeschüttet und überbaut werden dürfen. Die anfänglichen Befürchtungen einer Bauverzögerung oder einer Kostenexplosion durch den Grundeigentümer und Vertreter der Medien haben sich letztlich nicht bewahrheitet.
Von den über 1200 (!) bekannten Fundstellen in Vorarlberg ist nur ein sehr geringer Anteil von derartiger Bedeutung, dass sie unter Denkmalschutz gestellt werden und unversehrt unter der Erde verbleiben sollen. In der Regel werden Bauprojekte durch das Auftreten eines archäologischen Bodendenkmals nicht verhindert. Stattdessen wird unser Kulturerbe (im gesetzlich vorgesehenen Rahmen) durch „Rettungsgrabungen“ um wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse bereichert.
Anfang 2012 sind eindeutig definierte archäologische Fundzonen durch die Stadt Bregenz (auf Veranlassung des Bundesdenkmalamtes) eingeführt worden. Diese ändern nichts an der Widmung eines Grundstückes und dienen als Information für die Baubehörde bei konkreten Baugenehmigungsverfahren. Die in den Städten Bregenz und Feldkirch vorbildlich funktionierende Kooperation aller Beteiligten und die frühestmögliche Durchführung von Ausgrabungen in einer archäologischen Verdachtsfläche beugt dem allseits befürchteten „Baustopp“ am besten vor!

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