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Thursday, 17 April 2014 00:00

EIN HISTORISCHES DOKUMENT ZUR SCHLUSSSTEINLEGUNG

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Im Haus-, Hof- und Staatsarchiv findet man nicht nur die von Kaiser Franz Joseph unterzeichnete Originalurkunde, die aus diesem Anlass verfasst wurde, sondern auch das Ceremoniel-Protokoll, dessen Wortlaut ich Ihnen nicht vorenthalten will.

DONNERSTAG, DEN 8. MAI 1856
SCHLUSSSTEINLEGUNG IM K. K. ARSENALE

Vormittags um 11 Uhr geruhten Seine Majestät der Kaiser, im Beiseyn Ihrer Majestät der Kaiserin und der sämtlichen in Wien anwesenden durchlauchtigsten Familienmitglieder die Schlußsteinlegung im k.k. Arsenale vorzunehmen, welche Funktion in nachfolgender Art vor sich ging:
Ihre k.k. Majestäten, Allerhöchst welche von Laxenburg nach Wien in die Hofburg gekommen waren, fuhren zur bestimmten Stunde (die Livree en campagne) von der Hofburg beim Burgthor hinaus, über die Elisabethbrücke (ehemalige Wienflussbrücke an der Stelle der heutigen Kreuzung Lothringerstraße-Schwarzenbergplatz), durch die Heugasse (Prinz-Eugen-Straße), bei der Belvedere-Linie hinaus in das Arsenal.
Allerhöchst dieselben wurden bei der Ankunft im Hofe des Commandantenhauses von den dort versammelten Herren Erzherzogen, dem Arsenal-Commandanten, dem Armee – und Armeecorps- Commandanten zu Pferde empfangen.
Seine Majestät geruhten Sich hier zu Pferde zu setzen und die im Inneren des Arsenals aufgestellten Truppen, von den Genannten und Allerhöchst ihrer Adjutantur gefolgt, abzureiten. Ihre Majestät die Kaiserin mit Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Frau Erzherzogin Sophie verliessen den Wagen, mit welchem Allerhöchst und Höchst dieselben aus der Stadt gekommen waren, bestiegen einen bereitstehenden Phaeton (Kutsche) und folgten seiner Majestät. Die Obersthofmeisterin I. M. und die dienstthuende Hofdame der Frau Erzherzogin fuhren in einem offenen Wagen hinten nach.
Die übrigen durchlauchtigsten Frauen Erzherzoginnen, dann die Herren Erzherzoge Ludwig Viktor und Ludwig Joseph, der Herzog und die Herzogin von Coburg und Prinz v. Württemberg versammelten Sich unmittelbar im Hofzelte und erwarteten die Ankunft Ihrer Majestäten.
Das Hofzelt war auf dem Hofraume vor der Kirche aufgestellt. In der Mitte desselben war ein Knieschämmel und zwei reiche Armlehnsessel zu beiden Seiten, jedoch etwas rückwärts waren Kniebänke und Armsesseln für die übrigen höchsten Personen und hinter diesen Stühle für die Damen der Begleitung aufgestellt. Vor dem Bethschämmel Ihrer Majestäten stand rechts ein Tisch mit Samtüberzug, worauf die Pölster mit der Urkunde, mit der Tasse, auf welcher die Münzen sich befanden, und Hammer und Kelle aufgelegt waren. Auf der linken Seite stand ein ähnlicher mit dem Schreibzeuge zur Unterfertigung der Urkunde. Hinter diesem Tische ward ein reicher Armlehnsessel gestellt. Rückwärts und zu beiden Seiten des Zeltes waren sechs Arcierenleibgarden von außen als Doppelposten aufgestellt.
Die Generalität und das Offizierskorps der Garnison füllten den Raum rück- und seitwärts des Hofzeltes aus.
Nach Besichtigung der Truppen wurde vor dem Zelte abgestiegen. Die Reitpferde wurden als nunmehr entbehrlich weggeführt, die Wagen hingegen auf ihren Aufstellungsplatz gewiesen, in welcher Zwischenzeit auch das Lauftuch vom Orte der Schlußsteinlegung gegen das Hofzelt aufgerollt und befestigt wurde.
Sobald Ihre Majestäten im Zelte Platz genommen hatten, trat der Arsenals-Commandant G. M. Brantten vor und las die Urkunde laut ab. Seine Majestät geruhten sodann dieselbe zu unterfertigen (Ihre Majestät die Kaiserin, die durchlauchtigsten Familienmitglieder und die sonst zur Unterzeichnung berufenen Personen haben dies bereits früher gethan).
Die Urkunde wurde sodann in die Glasröhre und diese in einen Metallzylinder geschoben und nachdem auch der Grundriss und die Münzen in diesen Zylinder gegeben worden waren, wurde derselbe verschraubt.
Nun begab sich der pontifizirende Kardinal-Fürsterzbischof mit der Assistenz aus der Kirche, wo derselbe bis zu diesem Zeitpunkte verweilte, an die Stelle der Schlußsteinlegung und nahm die Weihung derselben vor.
Am Schlusse dieses kirchlichen Aktes verfügten Ihre Majestäten und die durchlauchtigsten Personen Sich zum Schlußsteine. Die Urkunde wurde durch den Baumeister Mayr dahin vorgetragen.
Der Metall-Zylinder wurde von Seiner Majestät in den in einer unterhalb der Feldkanzel der Kirche befindlichen Nische vorgerichteten Stein deponirt, welcher dann mit einer Platte geschlossen wurde.
Allerhöchst dieselben geruhten nun, mit der Kelle etwas Mörtel auf die Steinplatte aufzutragen und einen drauf gelegten Ziegel mit drei Hammerschlägen zu befestigen, welch letztere (die Hammerschläge) von Ihrer Majestät der Kaiserin, allen anwesenden Gliedern der allerhöchsten Familie, dann den zur Mitunterfertigung der Urkunde befehligten Personen wiederholt wurden.
Der Kardinal-Fürsterzbischof begab sich mit der Assistenz in die Kirche und erwartete am Portal Ihre Majestäten, Allerhöchstwelche von den durchlauchtigsten Personen begleitet, Sich ebenfalls in die vom Eingange gegen das Presbyterium mit Trabantengarden und Garde-Gendarmen besetzte Kirche verfügten, worauf der Pontifi kant das Te Deum anstimmte, welches von der Hofmusikkapelle abgesungen wurde.
Im Momente der Schlußsteinlegung gaben die ausgerückten Truppen das erste und während des Te Deums das zweite und dritte Salve, deren jedes von der außerhalb des Arsenals aufgestellten Batterie erwidert wurde.
Nach dem Te Deum begaben sich Ihre Majestäten und die höchsten Herrschaften wieder in das Zelt zurück, worauf der Pontifikant von der Feldkanzel den Segen ertheilte.
Zum Schlusse geruhten Seine Majestät die ausgerückten Truppen defi lieren zu lassen.
Nach geschehener Defi lierung bestiegen Ihre Majestäten die mittlerweile vorgeführten Wagen und fuhren nun in die Stadt zurück.
Die Adjustierung aller bei dieser Funktion erschienenen Militärs war en parade mit Feldbinden ohne Ordensbänder der Großkreuze; die im Dienste befindlichen Beamten waren in Uniform, alles übrige in Zivil.
Zum Zusehen waren seitwärts und rückwärts des Hofzeltes Tribünen errichtet. Auf den dem Hofzelte näher stehenden, 1.514 Personen fassenden Tribünen war der geladene Adel, das diplomatische Korps und sonstige Honoratioren placirt. Für die beiden weiter stehenden Tribünen wurden 1.314 Karten an das Publikum vertheilt.
Für den dermaligen hier tagenden Episkopat waren zu beiden Seiten der Kirche Estraden errichtet, woselbst für die drei Kardinäle ausgezeichnete Plätze vorgerichtet waren.
Sämtliche Tribünen waren zum Sitzen vorgerichtet und gedeckt; die Einladungen und die Vertheilung der Karten an das Publikum geschahen von Seite der General-Artillerie-Direktion. Derselben wurden zu diesem Ende die hierortigen Listen als Behelf übergeben.
Zur Erhaltung der Ordnung hat die Polizei-Direktion wieder eine eigene Fahrordnung kundgemacht.
Bei der Zufahrt konnten die Wägen in so lange beim Hauptthor hinein und der rechten Flanke des Arsenals entlang bis zum Thore zwischen dem Depot Nr. VI und der Kaserne Nr. VII fahren, bis die Abfahrt Ihrer Majestäten aus der Hofburg signalisirt wurde; von da an durfte kein Wagen mehr im Inneren des Arsenals fahren, sondern konnten die später Kommenden nur außerhalb des Arsenals bis zum Thore nächst der Kaserne Nr. VII fahren.
Die leeren Wägen stellten sich auf dem freien Platze hinter dem Arsenale auf.
Bei der Abfahrt durften alle Wägen bei dem Thore nächst der Kaserne Nr. VII herein und durch das Arsenal, jedoch nur auf der linken Flanke fahren.
Die Ordnung im Inneren wurde durch die Hoffouriere, von außen durch die Polizei erhalten. Vom Saaldienste waren beordert: 1 Kammerfourier, 1 Kammerdiener, 1 Thürhüter in der Kirche, dann 1 Kammerdiener und 2 Thürhüter im Hofzelte und zwar in Gala.

Ein Auszug aus dem Museumsheft 2012/3 zu beziehen im Shop Genaustria

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