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Karl Hauer

Karl Hauer

Der letzte Besitzer des Palais Modena in der Beatrixgasse war Erzherzog Franz Ferdinand, der aber mit seiner Familie nicht hier lebte, sondern in dem eigens für ihn adaptierten  Oberen Belvedere. Wir zeigen in unserer Ausstellung das bekannte Foto vom 28. Juni 1914,  das bei der Abfahrt Franz Ferdinands und seiner Frau gemeinsam mit Militärpersonen von  der Philipovic-Kaserne in Sarajevo knapp vor dem tödlichen Attentat aufgenommen  wurde.
Das Palais Modena verfiel immer mehr, bis es schließlich 1916 demoliert wurde.
Zu erwähnen wäre noch, dass während des Ersten Weltkriegs in der Umgebung wohnhafte  Menschen im weitläufigen Park des Palais für den Eigengebrauch Gemüse pflanzten.

Die Erzählung finden Sie im Museumsheft 2014/1 zu beziehen im Shop Genaustria

Anton Schmidgruber

Ich finde es traurig, dass gerade der Schöpfer eines der schönsten Kunstwerke, die unser Bezirk im öffentlichen Raum zu bieten hat – es führte jahrzehntelang einen Dornröschenschlaf und war nur Anrainern bekannt – in seinem Heimatbezirk so gut wie unbekannt ist.
Die Rede ist von dem jahrelang im Haus Seidlgasse 21 wohnhaft gewesenen Anton Schmidgruber und seinem Stiertor in der Viehmarktgasse.
Das „Historische Lexikon“ von Felix Czeike berichtet über ihn und seine Werke:
Studium an der Akademie der bildenden Künste (1859 Gesamtstudienpreis und Staatsstipendium für Dresden). Kehrte 1866 nach Wien zurück, wo er Auftragsarbeiten (Kleinplastiken, Fassadenschmuck) übernahm.
In der Ringstraßenzone schuf Schmidgruber unter anderem Maximilian I. und Maria Theresia für das Akademische Gymnasium, das Dürerdenkmal und eine Madonna mit Kind für das Künstlerhaus, Ludwig von Baden für die Ruhmeshalle des Arsenals, vier Standbilder für die Votivkirche (1869/70; darunter Jeremias und David), Dürer und Raffael für das Kunsthistorische sowie Vasco da Gama, Kolumbus und zwölf Kindergestalten für das Naturhistorische Museum (alle 1872), die beiden zur Ringstraße hin situierten Tritonen- und Najadenbrunnen am Maria-Theresien-Platz, Figurengruppen für das Rathaus, das Parlament und die Universität sowie zwei kolossale Stiergruppen für den Zentralviehmarkt; weitere Büsten für die Physiker Josef Loschmidt (1899) und Josef Stefan (1896) für den Arkadenhof der Universität, zahlreiche Porträtbüsten für private Auftraggeber, Grabdenkmäler für die Familie Gerold (Dornbacher Friedhof, 1888), A. Goettel (Zentralfriedhof, 1892) und Carl Schellein (Zentralfriedhof, 1889) sowie Liktoren für die Fassade des Michaelertrakts der Hofburg und den plastischen Schmuck für die Stephaniebrücke (=Salztorbrücke).
Schmidgruber war ein bedeutender, jedoch zu wenig gewürdigter Bildhauer der Ringstraßenära.
In der Pemmerschen Landstraßer Häuserchronik ist der Hinweis zu finden, dass der Künstler sein Atelier im ehemaligen Haus Strohgasse 18 hatte.

Die Erzählung finden Sie im Museumsheft 2014/1 zu beziehen im Shop Genaustria

Auf der Ansichtskarte aus dem Jahr 1900, die den Verlauf der Johannesgasse stadteinwärts vom Beginn der Salesianergasse zeigt, fehlt einiges, was wir in diesem Bereich kennen.

Dass an der linken Seite das Hotel Intercontinental fehlt, ist klar, weil dieses ja erst zwischen 1961 und 1964 erbaut wurde.
Davor befand sich dort das vom Baumeister Karl Stigler nach Plänen von Ludwig Baumann errichtete Kanzleigebäude des Wiener Eislaufvereins, aber auch dieses ist nicht sichtbar, da es erst seit 1902 bestand.

Kanzleigebäude des Wr Eislaufvereins
In der rechten Bildhälfte fehlen sowohl das 1907 nach Plänen des Architekten Josef Bittner erbaute Direktionsgebäude des Wiener Stadtgartenamtes, als auch der 1906 fertig gestellte Zugang zum Wien- flussportal, der nach Plänen von Friedrich Ohmann und Karl Hackhofer geschaffen wurde.
Beim Betrachten der Ansichtskarte fiel mir der Allerweltssatz „Mein Gott, wie die Zeit vergeht“ ein.

Die Erzählung finden Sie im Museumsheft 2013/4 zu beziehen im Shop Genaustria

Monday, 26 May 2014 00:00

DAS TANZLOKAL „GOLDENER KEGEL“

Die Weißgerber Kegelgasse wurde 1862 nach dem Schild des Tanzlokals „Zum goldenen Kegel“ benannt,  das unter der Anschrift Am Glacis 39 (heute Zollgasse / Hintere Zollamtsstraße) zu fi nden war.
Das Etablissement ist bereits im Jahr 1749 – der erste Besitzer hieß Josef Schrembs, der das Lokal bis 1752 führte – nachzuweisen und bestand als Gasthaus – der damalige Besitzer war Wolfgang Winkler – noch zur Zeit, als die drei Vorstädte vereinigt wurden.
In einer Zeitung aus dem Jahr 1792 kann man lesen:
Sonntag, den 8. Oktober wird der große und schöne Saal bei dem goldenen Kegel unter den Weißgerbern das erste Mal wieder geöffnet und eine wohlbesetzte Musik gehalten …. Der Weg vom Invalidenhaus bis dahin wird hinlänglich beleuchtet sein.
Aus dem Jahr 1796 ist wieder eine Erwähnung des Lokals erhalten:
Der Tanzsaal ist groß, schön ausgemalt, mit großen Spiegeln und Lustern versehen sowie dazu gehöriger Einrichtung.
Und an anderer Stelle heißt es:
Das Unternehmen hat ebener Erde drei Zimmer, eine Kammer, ein großes Lokal mit zwei Galerien und einem dabei befindlichen Speisezimmer, eine große Küche, einen großen Garten mit Kegelhütten und im ersten Stock sieben Zimmer mit separierten Eingängen, wovon einige für Gäste überlassen werden können.
Das Lokal hatte wegen der unmittelbaren Nähe zum benachbarten ehemaligen Ochsengries und nach Aufl assung desselben zum Hafen des Wiener Neustädter Kanals eine wunderbare Lage.
Neben diesem Etablissement befand sich mit der Anschrift Am Glacis 25 (heute Obere Viaduktgasse 38) von 1767 bis 1884 die Finanzwachkaserne.
Das Straßenniveau der sehr kurzen Zollgasse liegt bedeutend niedriger als das der benachbarten in der Hinteren Zollamtsstraße und der Oberen Viaduktgasse. Dieser Niveauunterschied entstand erst 1900, als der in der Nähe befindliche Abschnitt der Verbindungsbahn von einer Hoch- zu einer Tiefbahn umgebaut wurde.

Die Erzählung finden Sie im Museumsheft 2013/4 zu beziehen im Shop Genaustria

Therese Krones Lithographie

„Die Krones“ wurde 1801 als Tochter des ehemaligen Kürschnermeisters Franz Josef und seiner Frau Anna Theresia Krones in Bruntál (deutsch Freudenthal) im Nordosten der heutigen Tschechischen Republik – damals Österreichisch-Schlesien – geboren. Ihr Vater hatte sein Handwerk aufgegeben und eine Wanderschauspieltruppe gegründet. Es ist anzunehmen, dass zur Zeit Thereses Geburt das Ehepaar in Freudenthal ein Engagement hatte.
Therese und ihr Bruder Josef waren richtige Theaterkinder, weshalb sie schon sehr früh gemeinsam mit ihren Eltern auf der Bühne standen.
Schon 1811 wurde das Mädchen für Kinderrollen nach Brno (Brünn) engagiert und kam dann mit ihren Eltern über Temesvár nach Wien, wo sie am 22. Jänner 1812 im Leopoldstädter Theater gemeinsam mit ihrem Vater gastierte.
Im Oktober desselben Jahres spielte die ganze Familie im Josefstädter Theater.
Nach der Trennung von ihren Eltern hatte Therese Engagements in Bratislava (Pressburg), Zagreb (Agram), Ljubljana (Laibach), Graz und Sopron (Ödenburg). Hier wurde sie 1821 von Ferdinand Raimund entdeckt, der sie ans Leopoldstädter Theater holte. Sie debütierte in Joachim Perinets „Evakathel und Prinz Schnudi“. In den nächsten Jahren spielte sie gemeinsam mit Raimund, Korntheuer und Schuster in damals beliebten Volkstheaterstücken.
Der Durchbruch gelang Therese Krones 1824 als Zilly in der Zauberoper von Adolf Bäuerle „Aline“ und als Rosamunde in dessen Feenoper „Lindane“.
Sie bezauberte durch Anmut, Charme und Liebenswürdigkeit und verstand es, das Publikum durch ihr überschäumendes Temperament und ihre treff sichere Komik mitzureißen. Sie beherrschte mühelos sämtliche Nuancen der Schauspielkunst und wurde bald zum Vorbild aller Soubretten.

Therese Krones als JugendIm selben Jahr schrieb Raimund für sie die Rolle des Mariandl in „Der Diamant des Geisterkönigs“, und 1826 stand sie dann in der Hosenrolle der Jugend im Märchenspiel von Ferdinand Raimund „Das Mädchen aus der Feenwelt oder Der Bauer als Millionär“ auf der Bühne des Leopoldstädter Theaters. Das von ihr in dieser Rolle vorgetragene Lied „Brüderlein fein“ schlug wie eine Bombe ein.
Die Künstlerkarte von Moritz von Schwind, die sie in ihrem Kostüm zeigte, musste immer wieder nachgedruckt werden, um die große Nachfrage zu befriedigen.
Ganz Wien lag ihr zu Füßen, und sie konnte sich nun das verschwenderische Leben leisten, von dem sie schon seit langer Zeit träumte.

Das Daheimhäuschen der Therese KronesSie konnte sich sogar ein eigenes Haus auf der Hohen Warte in Döbling kaufen, dem sie den Namen „Daheimhäuschen“ gab (ehemals Hohe Warte 37, Abbruch wegen Bombenschadens im Zweiten Weltkrieg).
Therese Krones trat in der Folge nicht nur in Stücken von Adolf Bäuerle und Ferdinand Raimund auf, sondern auch in solchen, die ihr Bruder Josef für sie schrieb.
1826 lernte sie in Baden bei Wien Severin von Jaroszynski kennen und verliebte sich in den vermeintlichen reichen polnischen Grafen. In Wahrheit war dieser ein Hochstapler und Betrüger, der durch sein verschwenderisches Leben in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Am 13. Februar 1827 ermordete er seinen alten Lehrer Abbé Johann Conrad Blank, um ihn berauben zu können.

Severin Jaroszynski in der ArmesünderzelleSchon drei Tage später wurde Jaroszynski in seiner feudalen Wohnung im Trattnerhof am Graben während eines Gelages, an dem auch seine Freundin Therese Krones teilnahm, verhaftet.
Am 11. Juli wurde er zum Tod verurteilt und am 30. August bei der Spinnerin am Kreuz öffentlich gehenkt.
Diese Affäre trug das Publikum der geliebten Künstlerin nicht nach. Sie trat weiterhin in den  Vorstadttheatern der Leopoldstadt sowie der Josefstadt auf und erntete immer wieder frenetischen Beifall.
Am 23. Jänner 1830 spielte sie zum letzten Mal in „Julerl, die Putzmacherin“ im Josefstädter Theater. Im  selben Monat beendete sie das Engagement in diesem Theater, um von nun an im Theater an der Wien aufzutreten. Das bereits angekündigte Gastspiel musste sie jedoch krankheitshalber absagen.
Am 28. Dezember 1830 starb die große Schauspielerin im Gasthof „Zur Weintraube“, 2, Praterstraße 33 und wurde im St. Marxer Friedhof beerdigt.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden ihre sterblichen Überreste exhumiert und in einem Ehrengrab der Stadt Wien im Zentralfriedhof (Gruppe 42A,  Nummer 45A) beigesetzt.

Kenotaph für Therese Krones
Im St. Marxer Friedhof gibt es diesen Erinnerungsstein für die große Künstlerin.

Die Erzählung finden Sie im Museumsheft 2013/4
zu beziehen im Shop Genaustria


 

Kenotaph für Therese Krones
im St. Marxer Friedhof

Im Eckhaus Invalidenstraße 17 / Ungargasse 1 befand sich während mehrerer Jahrzehnte ein Gasthaus, das den ungewöhnlichen Namen „Zum Bretzlbuam“ trug.

Mosaik am Haus Invalidenstrasse 19
Der Künstler H. Revy, der das Mosaik 1936 geschaffen hatte, versah das Bild mit der Jahreszahl 1792 und der Beschriftung „Invalidenhaus, Konvent der Elisabethinen und Gasthaus „Zum Bretzlbuam“.
Der Betrachter muss also glauben, dass das besprochene Lokal bereits 1792 existierte, was aber keineswegs stimmt.
Wohl befand sich an dieser Stelle schon im Vorgängerbau, der 1934 abgebrochen und assaniert wurde, bereits ein Gasthaus, das ursprünglich den Namen „Zur Glocke“ trug.

Im Jahr 1896 war das Lokal im Besitz von Karl Fischer, der ein begeisterter Anhänger des Trabrennfahrens war. Sein Falbhengst mit dem Namen „Bretzlbub“ gewann am 3. Mai 1896 gegen zwölf Konkurrenten das Rennen; die Gewinnquote betrug 2.444 : 5. Am Tag nach dem Rennen brach das Tier zusammen.
Karl Fischer war mit einem Schlag ein vermögender Mann und benannte sein Etablissement nun neu mit dem Namen „Zum Bretzlbuam“.
Auf unserem nächsten Bild aus dem Jahr 1937 erkennt man unschwer das damals noch florierende Lokal.

Das Gasthaus zum Bretzlbuam im alten Haus

Das Gasthaus zum Bretzlbuam im neuen Haus
In unserer ungastlichen und hektischen Zeit hatte das traditionelle Wirtshaus offenbar keine Chance.  Schade!

 

 

Rechts: Das assanierte Wohnhaus Invalidenstrasse 19 mit dem damals neuen Gasthaus „Zum Bretzlbuam“

Die Erzählung finden Sie im Museumsheft 2013/4 zu beziehen im Shop Genaustria

Wednesday, 07 May 2014 00:00

UNSERE NEUERSCHEINUNGEN

Für Fans unseres Bezirks habe ich in den letzten Jahren einige Bücher im Eigenverlag verfasst, die in unserem Bezirksmuseum und im Shop Genaustria erhältlich sind:

Zum Beispiel:

KULTURGESCHICHTE DER LANDSTRASSE,
DER ST. MARXER FRIEDHOF,
LANDSTRASSER SPAZIERGÄNGE,
DA DRUNT IN ERDBERG,
DIE LANDSTRASSER JUDEN,

und natürlich auch für Landstraßer Nichtfans,
SO WAR DAS – DER ENKEL EINES WIENER DIENSTMANN

Über die verschiedenen Nutzungen dieses Musentempels habe ich ja bereits berichtet.
Dass aber jemals ein Mord in diesem ehrwürdigen Haus verübt wurde, ist weitgehend unbekannt.
Im Buch Tatort Wien, Band 2 von Harald Seyrl, ( zu beziehen in unserem Shop Genaustria ) dem Initiator und Leiter des Wiener Kriminalmuseums im 2. Bezirk ist folgender Artikel zu finden, den ich Ihnen auszugsweise zu wissen bringe:

MORD IM KONZERTHAUS
Der Fall Felix Gartner


„Am 3. November 1928 war das Konzerthaus der Schauplatz einer furchtbaren Bluttat. Ein zahlreiches Publikum füllte die Räume der Kunststätte, um den Klängen des Violinvirtuosen Vasa Pryhoda zu lauschen.“
Als mit diesen Worten am 8. Juni 1929 die Anklageschrift gegen Felix Baron Gartner im Schwurgerichtssaal des Wiener Landesgerichtes verlesen war, wurde der Schlussstrich unter ein Verbrechen gezogen, welches einige Monate zuvor in Wien größtes Aufsehen verursacht hatte ...

Djidji Mouheb PaschaSchon zu Beginn des Konzertes war den Besuchern eine überaus attraktive und elegante, dunkelhaarige Dame in einer Loge aufgefallen, und man raunte sich zu, dass es sich bei der schönen Frau um eine ägyptische Prinzessin handeln würde … Erst in der großen Pause … stand die schöne Ägypterin (wieder) im Zentrum des Interesses.
Diese schien jedoch ihre Umgebung nicht zu beachten, sie war in ein offensichtlich erregtes Gespräch mit einem Herrn der Wiener Gesellschaft verwickelt. Auch dieser Gesprächspartner der Prinzessin war nicht unbekannt. Felix Baron Gartner war sein Name, ehemaliger Dragonerrittmeister und Gutsbesitzer aus Oberösterreich, der seit vielen Jahren in Wien lebte und zu einem fixen Bestandteil der Gesellschaft geworden war.
Nach den Klingelzeichen, die das Ende der großen Pause ankündigten, begab man sich wieder in den Konzertsaal.
Eine Loge war jedoch leer – die Loge Nr. 2 der schönen Ägypterin. Sie stand zu diesem Zeitpunkt, wie ein Zeuge später aussagen sollte, immer noch im Foyer, verwickelt in das heftige Gespräch mit Baron Gartner …
Ein Augenzeuge, der Logenschließer Josef Oberwasser, berichtete später: „Prinzessin Djidji Mouheb Pascha war bis nach dem dritten Klingelton mit Baron Gartner in eine immer heftiger werdende Diskussion verstrickt.
Nach dem letzten Läuten wandte sich die Prinzessin brüsk von ihrem Gesprächspartner ab, um sich in ihre in der Nähe liegende Loge zu begeben.
In diesem Moment griff Gartner in die Tasche, zog eine Pistole und gab in rascher Reihenfolge mehrere Schüsse auf die Prinzessin ab. Diese stürzte zu Boden und blieb regungslos liegen.
Gartner jedoch lief dem Ausgang entgegen und rief  laut „aufhalten, aufhalten“, so als wollte er selbst einen Täter verfolgen ...“
Der Logenschließer … konnte diesen noch vor Erreichen des Ausganges festhalten. Die beim Konzert anwesenden Polizeibeamten waren inzwischen ebenfalls zur Stelle und Gartner wurde … in das nächstliegende Wachzimmer gebracht. Beim Opfer, der ägyptischen Prinzessin Wegjiha, genannt Djidji, Mouheb Pascha, kam jedoch jede Hilfe zu spät – der Arzt konnte nur mehr den Tod konstatieren.
Gartner war einer der entwurzelten Offiziere, die nach dem Kriegsende im Zivilleben Schiff bruch erlitten.
Er hatte zwar eine Gutsbesitzerin geheiratet, aber sein aufwändiger Lebensstil brachte nicht nur den Verlust des Gutes sondern auch das Ende dieser Ehe.
Schließlich traf er die junge Ägypterin, die eine Tochter des in Wien lebenden reichen Mouheb Pascha war. Er hoffte, seine finanziellen Schwierigkeiten durch eine Eheschließung mit der schönen jungen Frau beheben zu können. Sowohl deren Vater als auch Djidji wollten aber davon nichts wissen.
Gartner hatte erfahren, dass die Prinzessin das Pryhoda-Konzert besuchen werde, weshalb auch er sich eine Eintrittskarte besorgte. Bei der Aussprache erfuhr er, dass Djidji nicht ihn sondern den arabischen Prinzen Omar Halim heiraten werde. Diese Abfuhr und die Verzweiflung wegen seiner zerrütteten Finanzlage ließen ihn die junge Frau erschießen.

Gartners Einlieferung ins Wiener Landesgericht
Felix Gartner wurde des vorsätzlichen Mordes für schuldig befunden und zu einer Strafe von 12 Jahren schweren Kerkers verurteilt.
Wohl wurde er vor Ablauf der Strafdauer wegen guter Führung … vorzeitig entlassen, doch war sein Leben zerstört …
1937 endete sein Leben: er starb völlig verarmt in einem Sammelkrankensaal des Krankenhauses in Wels.

Die Erzählung finden Sie im Museumsheft 2013/2 zu beziehen im Shop Genaustria

In unserem Bildarchiv befindet sich das Foto, das ich Ihnen hier zeigen will.
Im letzten Sommer erhielt ich das Mail einer englischen Firma, die mit Bildern und alten Drucken handelt. Sie fragten an über die Hintergründe des Verkaufs durch Konstanze Rasumofsky, geborene Gräfin Thürheim (1785-1867) – die Witwe des Fürsten (1752-1836) – des Palais Rasumofsky. Ich nahm an, dass es sich um das Palais in der Rasumofskygasse handelt und berichtete, dass dieses meines Wissens zwei Jahre nach dem Tod des Fürsten von seiner Witwe um 190.000 Gulden und eine jährliche Leibrente von 12.000 Gulden an Alois Fürst Liechtenstein verkauft wurde. Dann bekam ich die Antwort, dass es sich bei dem angefragten Schloss um eine andere Baulichkeit handelt, die von der Witwe mittels Versteigerung veräußert wurde.
Und dem Mail war die historische Versteigerungsankündigung angeschlossen.

Schloss in der Erdbergstrasse_Versteigerungsankündigung
Nun wusste ich Bescheid!
Die Hauptfassade, von der wir keine Abbildung besitzen, befand sich an der heutigen Anschrift Erdbergstraße 29. Der dazu gehörende Garten reichte hinunter bis zur Donau. Die Liegenschaft wird in der Landstraßer Häuserchronik von Pemmer nicht nur unter der obigen Adresse, sondern auch sowohl unter Wassergasse 7 und 9, als auch Erdberger Lände 28 erwähnt.
Ich zitiere nun aus „dem Pemmer“ die baulichen Veränderungen und anschließend die Besitzerreihe:

1765 Erbauung eines Gartengebäudes durch Zeno Graf Montecuccoli
1785 Zubau durch den nunmehrigen Besitzer Daniel Tschida errichtet
1819 Fürst Rasumofsky erhält einen Abteilungskonsens
1837 Bauabänderung durch Baumeister Lechner
1838 Aufsetzung eines Stockwerkes und Zubau durch Baumeister Dalberg
Neuerbauung unter dem neuen Besitzer D‘Orsay durch Baumeister Dalberg
1869 Zweistöckiger Neubau durch Baumeister Schneider
1765 Zeno Graf Montecuccoli
1783 Daniel Tschida, bgl. Handelsmann
1807 Andreas Kirillowitsch Fürst Rasumofsky
1837 Konstanze Domenica Fürstin Rasumofsky, geborene Gräfi n Thürheim
1838 Franz Huber, noch im selben Jahr
Graf D‘Orsay
1868 Josef von Baechle

Bald nachdem Rasumofsky dem belgischen Architekten Louis Montoyer den Auftrag für die Erbauung seines Palais erteilte, engagierte er den aus Kurhessen stammenden Gartengestalter Konrad Rosenthal zur Anlegung einer Parkanlage. Es ist bekannt, dass Rosenthal während seiner jahrelangen Beschäftigung mit diesem Auftrag das Erdberger Schlösschen mit seiner Familie bewohnte und in unmittelbarer Nähe desselben die für die Anlegung des Parks erforderlichen Pflanzen in Glashäusern – eines davon ist auf dem rechten Bildrand erkennbar – zog.
Die heutige Wassergasse wurde 1862 benannt; auf dem Vasquez-Stadtplan von 1830 trägt sie den Namen Donaugasse und wurde anschließend wahrscheinlich ab 1838 in D‘Orsaygasse umbenannt.
Offenbar fand die erbende Witwe keinen Käufer für das Schloss in der Erdbergstraße, weshalb sie es versteigern ließ.
Auffallend dabei ist, dass der oben ersichtliche Franz Huber die Anlage ersteigerte und sie noch im selben Jahr an D‘Orsay verkaufte.

Ein Auszug aus dem Museumsheft 2013/1 zu beziehen im Shop Genaustria

Tuesday, 29 April 2014 00:00

DIE OPERNBÄLLCHEN DES PATER DEBRAY

Die Dame, der ich diese Geschichte verdanke, ist eine treue Museumsbesucherin. Als sie eines Tages das „Opernbällchen“ im Gespräch erwähnte, wusste ich, dass das wieder einmal ein Beitrag für meine treuen Leser sein wird.
Bitte, lassen Sie sich von mir jetzt ein wenig in die Vergangenheit entführen, als es noch keine Galleria auf der Landstraße gab. Erinnern Sie sich noch an den Schwechater Hof?
Meine zweite Hilfe zur Erinnerung betrifft die Person des Salesianerpaters Friedrich Debray. Er war bei allen Don Bosco-Freunden in Erdberg als rühriger Jugendseelsorger bekannt. Ich erinnere hier daran, dass er das legendäre Wagenrad in der Dietrichgasse gründete, wo er eine Heimstätte für Jugendliche einrichtete.
Kurz nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages verwirklichte er seine Idee, für die jungen Menschen, aber auch deren Eltern, im Fasching im Schwechater Hof eine Ballveranstaltung zu veranstalten, der er den Namen Opernbällchen gab.

Einzug der Paare 1974    Jungkomitee trägt Barockkostüme

Wie beim großen Opernball gab es ein Jungdamen- und Herrenkomitee, das nach dem feierlichen Einzug die Tanzveranstaltung mit einer festlichen Polonaise eröffnete.
Nun lassen wir aber Frau Eva-Maria Liska zu Wort kommen:
Pater Debray (1909 – 2002), Seelsorger im Salesianum in der Hagenmüllergasse und Religionsprofessor im nahen GRG III leitete den Club Wagenrad in der Dietrichgasse, der damals noch kein eingetragener Verein war.
Neben vielen anderen Aktivitäten für und mit Jugendliche(n) rief er 1956 das Opernbällchen ins Leben, nachdem 1955 zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg der Wiener Opernball über die Bühne tanzte.
Debrays Veranstaltung fand jeweils im Fasching im Schwechater Hof an der Landstraßer Hauptstraße bis zu dessen Schließung , danach einige Male im Sondergastraum des Westbahnhofes statt und ging später im Schulball des GRG III auf.
In den Jahren 2005 und 2006 gab es wieder das Opernbällchen im Don-Bosco-Saal des Salesianums. Organisiert wurde die Veranstaltung früher – außer von Pater Debray – unter anderem von OSTR Mag. Haid, MR Mag. Lowak, Herrn Schiebendrein und dem Ehepaar Pfaffenbichler.
In den Jahren von 1972 bis 1974 durfte auch ich das Opernbällchen mit eröffnen. Wie es dazu kam, weiß ich nicht mehr, wahrscheinlich wurden per Anschlag oder im GO-IN, der Veranstaltungszeitschrift des Wagenrads, junge Leute dafür gesucht. Insgesamt waren wir nicht mehr als acht Paare. Mein Tanzpartner war der spätere Journalist Joachim R. Unser Tanzmeister war Herr Kukula, der für die Choreographie zuständig war, aber einen anderen Zivilberuf hatte. Er schaffte es jedes Mal, mit einem nicht besonders begabten Haufen junger Leute eine würdige Eröffnung zu gestalten.
Durch das Spalier, das wir bildeten, zogen Pater Debray und die Ehrengäste ein.
Wir tanzten nach den Klängen der Fächerpolonaise von Carl Michael Ziehrer. Während der Eröffnung gab es auch Gesangeinlagen; wenn ich mich recht erinnere, handelte es sich dabei um Operettenarien.
Nachdem alles glücklich überstanden war, erhob sich Pater Debray zu einer kurzen Ansprache und begrüßte die anwesenden Ehrengäste, die an einem Tisch ganz vorne bei ihm saßen. Sicher waren das die Mitorganisatorinnen und -organisatoren, einige Lehrerinnen und Lehrer der Schule Hagenmüllergasse und wahrscheinlich befanden sich darunter auch die beiden bereits verstorbenen Lehrer Frau Prof. Mor und Herr Prof. Sabler.
Musikkapelle gab es aus Kostengründen keine, Herr Kukula legte Schallplatten auf. Alle notwendigen Dienste, auch den Verkauf der Eintrittskarten an der Abendkassa, leisteten ehrenamtliche Helfer.
Pater Debray rekrutierte Freiwillige, wo er ihrer habhaft werden konnte; wahrscheinlich gehörte auch die Sängerin dazu.
Es wurde natürlich sehr viel getanzt. Nur Pater Debray tanzte nie; er wurde zwar per Damenwahl von uns Mädchen immer wieder dazu aufgefordert, lehnte aber immer dankend ab.
Auch meine Eltern nahmen zumindest einmal an einem Opernbällchen teil. Die Gäste waren vermutlich hauptsächlich Schüler der Oberstufe der Hagenmüllergasse samt Familien und Angehörige des Clubs Wagenrad.
Der Ballraum im Schwechater Hof war mit Girlanden geschmückt, aber meiner Erinnerung nach täuschte all die Festlichkeit nicht über die Schäbigkeit des Saales hinweg. Ich glaube, dass die Veranstaltung jeweils am Faschingsonntag stattfand; der Beginn war, wenn ich mich recht erinnere, um 20:00 Uhr, und um 24:00 Uhr war das Fest zu Ende. ........


weiterlesen im Museumsheft 2012/4

Ein Auszug aus dem Museumsheft 2012/4 zu beziehen im Shop Genaustria

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