Das Museen Net

Es gibt immer etwas zu entdecken

Mittwoch, 02 April 2014 15:17

Alles ist hell, aber es ist kein Tag. . . .

geschrieben von 
Artikel bewerten
(2 Stimmen)
Einblick in die Pfarrkirche von Mogersdorf während der Freilegung der Wandmalereien gr Einblick in die Pfarrkirche von Mogersdorf während der Freilegung der Wandmalereien gr Bundesdenkmal

Einblick in die Pfarrkirche von Mogersdorf während der Freilegung der Wandmalereien gr


„Alles ist hell, aber es ist kein Tag. Alles ist laut, aber es sind nicht Vogelstimmen“ (Rainer Maria Rilke)


Eine wieder entdeckte monumentale Wandausstattung in der Pfarrkirche von Mogersdorf im Burgenland wird restauriert, um im Rahmen des 350. Jahrestags der Schlacht bei Mogersdorf der Öffentlichkeit präsentiert zu werden.

Die Marktgemeinde Mogersdorf im Raabtal liegt unmittelbar

an der Grenze zu Ungarn im südlichen Burgenland. 1187 wird der Ort erstmals urkundlich erwähnt - als Besitzung des kurz zuvor gegründeten Zisterzienserstiftes St. Gotthard (heute: Szentgotthárd). Mit der Schlacht bei Mohacs, 1526, wurde die Region zum Grenzgebiet gegen das zunehmend nach Westen expandierende Osmanische Reich. Aufgrund der stetig dräuenden Gefahr aus dem Osten wurde das Kloster aufgegeben und zu einer Grenzfestung ausgebaut. Lange Zeit wurden die Grenzorte zur Steiermark immer wieder in Schutt und Asche gelegt. Magdalena Batthyány am 20. April 1656 in einem Schreiben an ihren Bruder, Graf Adam B.: „Die Türken ziehen entlang der Raab, Mogersdorf haben sie schon beraubt, nun ziehen sie gegen Jennersdorf.“

Historische, weit über die Grenzen des Habsburgerreichs gehende Bedeutung erlangte der kleine, am Fuß des Schlößlbergs gelegene Ort durch die große Türkenschlacht am 1. August 1664, die unter der Führung des kaiserlichen Feldherrn Graf Raimund Montecuccoli (1609-1680) siegreich für die vereinten christlichen Heere endete. Im Vorfeld waren diplomatische Versuche zur nochmaligen Verlängerung des Friedens von 1604 zwischen Osmanischem Reich und dem von Leopold I. regierten Habsburgerreich gescheitert. Im April 1663 setzte sich der Großwesir Ahmed Köprülü mit seinen Truppen in Marsch. Nach der Eroberung mehrerer Festungen in Oberungarn zog die osmanische Hauptstreitmacht Richtung Wien. Am 30. Juli 1664 trafen 50.000 Mann aufseiten der Türken, die in St. Gotthard eingerückt waren, auf das kaiserliche Heer, das am gegenüberliegenden Ufer der Raab Stellung bezogen hatte und mit Verstärkung aus Bayern, Schwaben, Niedersachsen, Westfalen, Franken und sogar Frankreich 25.000 Mann zählte. Nach der „Relation“, dem 1665 publizierten Bericht des Johann Graf Stauffenberg, Generalquartiermeister der Reichsarmee in Mogersdorf, hatte in der Nacht vor der großen Schlacht im Hauptquartier des Grafen Montecuccoli ein Gelage stattgefunden. In den frühen Morgenstunden des 1. August 1664 konnten daher türkische Truppen unbehelligt über die Raab setzen und das Lager der Reichstruppen überrennen. Diesen Moment der Überraschung erwähnt Rainer Maria Rilke in den oben zitierten Zeilen seiner „Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“, die poetisch des Todes eines Vorfahren in der Schlacht bei Mogersdorf gedenkt. In dieser kritischen Situation der Überraschung führte Montecuccoli mit Unterstützung des Kommandanten des Rheinbundkorps und dessen Truppen den Gegenstoß. Aus der blutigen zehnstündigen Schlacht ging der kaiserliche Oberbefehlshaber mit der alliierten Streitmacht siegreich hervor. Zum ersten Mal war ein türkisches Heer in einer offenen Feldschlacht besiegt worden - der Nimbus der Unbesiegbarkeit war gebrochen, der geplante Vormarsch des Großwesirs gegen Wien wurde gestoppt. Der anschließende Frieden von Eisenburg (Vasvar) verärgerte die ungarischen Magnaten und mündete schließlich in die Magnatenverschwörung gegen Kaiser Leopold I.

Am kommenden Tag ließ Montecuccoli in der Kirche von Mogersdorf, welche die Kampfhandlungen unversehrt überstanden haben soll, für die gefallen Krieger ein Seelenamt und für den glorreichen Sieg ein Tedeum halten. Sehr litt der Sakralbau, der bis zum Neubau 1775/76 dem hl. Martin geweiht war, unter den kriegerischen Ereignissen des Kuruzzenrummels 1704. Das Stift St. Gotthard, das seit 1734 wieder von Zisterziensern geführt wurde, stellte bis 1900 die Pfarrer von Mogersdorf. Unter Pater Hieronymus Rößler, einem gebildeten Kirchenhistoriker, der zuvor auch als Bibliothekar in Stift Heiligenkreuz tätig war, erfolgte der Neubau der Kirche als barocker Saalbau mit Fassadenturm, der fortan dem hl. Joseph geweiht war. Unter dem historisch interessierten Pater Daniel Kucmics, der lange Jahre als Seelsorger in Mogersdorf und als Prior von St. Gotthard tätig war, lebte das Interesse an den kriegerischen Ereignissen von 1664 wieder auf: Er ließ zwei mächtige Grabhügel am westlichen Ortsende abgraben und die aufgefundenen Gebeine gefallener Soldaten unter dem 1840 errichteten Weißen Kreuz beisetzen. Angeregt von diesen Funden wurde die 1841 erweiterte Kirche 1857 von einem bislang unbekannten Künstler in historisierender Weise mit Wandmalereien versehen, welche u.a. die Schlacht von Mogersdorf zum Thema haben. Bei der nächsten großen Innenrenovierung ab 1900 wurden sie durch das große Deckengemälde von Johann Rösch im Langhaus und durch Schablonenmalereien ersetzt, die zu Beginn der 1970er Jahre entfernt wurden.

weiterlesen :

 

Gelesen 2685 mal
Mehr in dieser Kategorie: Die Burg Forchtenstein - empfohlen »

1 Kommentar

Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten

Unser Partner BDA

Kultur Förderer

Unsere Förderer
Kultur Kontakt - des BMfKK
Der Wiener Stadtschulrat
Die Kulturabteilung der Gemeinde Wien

Unser Shop

Eine reiche Auswahl an Büchern, Zeitschriften, DVD, Druckwerke - besuchen Sie: http://shop.genaustria.at/Buch/Daheim-in-Sitzendorf::474.html