Das Museen Net

Es gibt immer etwas zu entdecken

Bezirksmuseum Wien3 Blog

Hier berichten wir über das Geschehen aus dem Bezirksmuseum Landstraße, gemeinsam mit Freunden unseres Museums

VOLKSSÄNGER- UND GASTHAUSKULTUR IM DRITTEN BEZIRK

  • Schriftgröße: Größer Kleiner
  • Updates abonnieren
  • Drucken
  • Diesen Beitrag melden

Harfenist-Baumann-in-der-Steingasse_1905_Engelhart
Im 17. Jahrhundert spielten Dudelsackpfeifer in Gasthäusern zur Unterhaltung auf. Sowohl die Sage um den „Lieben Augustin“ als auch die historisch belegte Person des Dudelsackpfeifers Marx Augustin (1643–1685), der auf der Landstraße daheim gewesen war, sind in unserer Erinnerung.
Im 18. Jahrhundert übernahmen die Harfenisten, die zu ihren gezupften Melodien sangen, die Unterhaltung der Wirtshausgäste. Einige von ihnen sind uns dem Namen nach noch bekannt wie Leopold Bürger (1771–1833), der als „blinder Poldl“ in ganz Wien bekannt war, oder der ebenfalls blinde Karl Perfetta (1810?-1870), der von dem aus England stammenden und auf dem St. Marxer Friedhof beerdigten Elias Parish Alvars (1808-1849) ausgebildet worden war und vornehmlich auf dem Wasserglacis – heutiger Stadtpark – die Gäste unterhielt.

 

 

Blinde-Hofmusikanten_1932_Engelhart
Diese Musiker zogen meist als gering geschätzte Alleinunterhalter durch die Gasthäuser und bestritten ihren Lebens-unterhalt durch „Absammeln“ von milden Gaben.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erschienen die Volkssänger auf dem Plan; die ersten traten im Narrenkostüm gemeinsam mit Harfenisten auf und fristeten
ihr Leben ebenso mühsam wie diese. Einige von ihnen waren, weil sie in keinem Lokal beschäftigt wurden, darauf angewiesen ihr Dasein als Hofsänger zu fristen.




Erst Johann Baptist Moser, sein bürgerlicher Name war Müller (1799-1863), der übrigens in der
Landstraßer Hauptstraße wohnte, machte das Volkssängertum salonfähig. Er komponierte Couplets
und gründete eine Gesellschaft von Sängern und Komikern, die im Frack auftraten und nun zu Klaviermusik sangen; um seine fix terminisierten Vorstellungen besuchen zu können, mussten die Besucher einen Eintrittspreis bezahlen, womit das Absammeln mit dem Hut ein Ende hatte.
Seinem Vorbild folgten bald auch andere Volkssängergesellschaften, unter denen man die Namen Edmund Guschelbauer (1839-1912), der das heute noch beliebte Wienerlied vom „oidn Drahrer“ bekannt machte, Fanny Hornischer (1845-1911), Emilie Turecek, verehelichte Demel, die in ganz Wien als „Fiakermilli“ (1848-1889) bekannt war, Antonie Mansfeld (1835-1875) und den Fasanviertler Carl Lorens (1851-1909) findet.

Alle diese Künstler wurden für ihre Auftritte von Gastwirten, die entweder in ihrem Lokal über einen Saal mit Bühne oder für sommerliche Auftritte einen entsprechend großen Garten verfügten, engagiert
Diese Gewohnheit versuchte Johann Fürst (1825-1882) zu ändern, der sein eigenes Fürst-Theater im Prater gründete.
Damit begann die Wiener Tradition des Unterhaltungstheaters, die mit noch heute bekannten Namen wie Hermann Leopoldi (1888-1959), Karl Farkas (1893-1971), Fritz Grünbaum (1880-1941 Dachau), Fritz Löhner-Beda (1883-1942 Auschwitz), Ernst Arnold (1892-1962), Fritz Imhof (1891-1961) und vielen anderen hier nicht Genannten verbunden ist.
Aber kehren wir zu den Unterhaltungsstätten im dritten Bezirk zurück, wo in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Volkssänger die Menschen unterhielten.
Es war die Zeit, als der Gast solcher Lokale seine Alltagssorgen vergessen wollte und ein Gefühl der Geborgenheit vor allem Unangenehmen, das die Welt dort draußen bot, suchte. Ein Vierzeiler sagt alles dazu aus:

Bei mir z‘haus
bin i nia z‘haus.
Aber im Wirtshaus
bin i wia z‘haus.

Beginnen wir mit unserer Wanderung durch die ehemaligen Landstraßer Wirtshäuser am ehemaligen Glacis. Etwa an der heutigen Anschrift Marokkanergasse 3 befand sich das beliebte Lokal „Zu den zwei Täuberln“, das der in der Nähe wohnende Peter Fendi in einem reizenden Stich verewigte. Hier waren schon in früherer Zeit die Harfenisten daheim gewesen. 1826 trat hier der junge Johann Strauss (Vater) mit einer kleinen Musikergruppe auf und brachte als Einstand sein Opus 1, den Täuberl-Walzer, zu Gehör.
Im „Neulingschen Brauhaus“ (Ungargasse / Ecke Neulinggasse) und dem angeschlossenen Garten traten sowohl Johann Baptist Moser als auch Edmund Guschelbauer auf.
Im Garten der „Goldspinne“ (Ecke Ungargasse / Linke Bahngasse) konzertierten die Kapelle Kirchmayer
und das Terzett D‘Gumpendorfer.
An der Ecke der Beatrixgasse zur Landstraßer Hauptstraße befand sich das Volkssängerlokal
„Zum schwarzen Bock“. Hier trat die Gesellschaft des unweit von hier wohnenden Johann Baptist Moser einige Zeit allwöchentlich auf; 1843 hatte hier das Mitglied der Moser-Gesellschaft Johann Kwapil (1822-1907) sein Debut.
Wenige Schritte weiter – Landstraßer Hauptstraße 31 – gab es die „Goldene Birn“ des Ehepaares Johann Evangelist und Anna Stipperger. Das Lokal galt jahrzehntelang als vornehmes Tanzetablissement, wo Vater und Sohn Johann Strauss ebenso wie Josef Lanner und viele andere damals beliebte Tanzorchester aufspielten. Im Gasthaus ließ es sich Ludwig van Beethoven schmecken, und im angeschlossenen Gasthof wohnten Alexander Ypsilanti und Honoré de Balzac.
Schräg gegenüber finden wir das Lokal „Zum roten Hahn“, wo nicht nur die närrische Gesellschaft um Franz Schubert ihre Zusammenkünfte hatte, sondern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch der berühmte Stammtisch der bildenden Künstler Robert Russ, Hans Canon, Carl Moll und Emil Jakob Schindler tagte.
Im Garten des Gasthauses „Zum guten Hirten“ (Gasthaus Metzger, Landstraßer Hauptstraße 55) ist das Auftreten Guschelbauers und Fanny Hornischers verbürgt.
Schräg gegenüber vom Metzger gab es an der Ecke zur Rochusgasse über Jahrzehnte das Gasthaus „Zum eisernen Hut“, das von Studenten bevorzugt wurde und wo es häufi g hoch her ging; der 1848er-Revolutionär Hans Kudlich (1823-1917) – er wohnte übrigens zu dieser Zeit im Gasthof „Zur goldenen Birn“ – erinnerte sich daran in seinem Buch „Rückblicke und Erinnerungen“.
Ein Stück stadtauswärts gab es das Gasthaus „Zum schwarzen Tor“ (Landstraße Hauptstraße 73), wo schon zu Ende des 18. Jahrhunderts zum Tanz aufgespielt wurde. 1791 wurde den Lesern der Wiener Zeitung berichtet, „ ... dasz Sonntag den 25. September wie gewöhnlich Musik beim „Schwarzen Tor“ ist ... Herr Stratzer hat zu Ehren des schönen Geschlechtes zwölf neue Menuetts und zwölf Langaus
verfasset, womit er sich hören lassen wird“.
Der Landstraßer Stipperger-Sohn Bernhard mit Vornamen unterhielt sein erstes Lokal „Zur schönen
Sklavin“ in der Erdbergstraße (heute Nr. 10), von wo er in die Innenstadt wechselte, wo er das Schild „Zum goldenen Ochsen“ bald durch die imponierende Aufschrift „Zur Stadt Frankfurt“ ersetzte. Hier war Franz Grillparzer einer seiner Stammgäste, und es ist bekannt, dass Stipperger einer der ersten war, die nach dem Tod des Dichters einen bedeutenden Betrag für die Errichtung eines Denkmals  zeichneten.
Der zweite Stipperger-Sohn namens Johann betrieb in der Weißgerber-Vorstadt das Lokal „Zum guten Hirten“ in der dortigen Hauptstraße (heute Obere Weißgerberstraße 18), das er in der Tradition seiner Eltern sowohl als Gasthaus als auch als Tanzetablissement führte. Das Lokal erfreute sich offenbar eines guten Rufes, was man einem Gedicht entnimmt:

Doch mehr zufrieden ist man bei der Schenke
Zum guten Hirten, denn der Wirt
versorgt mit guten Speisen und Getränken
die Schafe wie ein guter Hirt.

In Erdberg sind der „Schwarze Adler“ in der Petrusgasse (heute Nr. 2), die „Ungarische Krone“ in der
Schimmelgasse (heute Nr. 2) und der „Weinstock“ in der Schlachthausgasse (heute Nummer 14) als
Volkssängerlokale zu nennen, wo sich die Gäste ohne jeden Standesunterschied – vom Handwerker
bis zum Herrn Lehrer und vom Fiaker bis zum G‘studierten – unterhalten ließen.
Bei-den-Volkssaengern-in-Simmering_Engelhart
Am äußeren Rennweg (Ecke Grasbergergasse) befand sich das beliebte Gasthaus „Zum ewigen
Leben“, das bis 1874, als der St. Marxer Friedhof geschlossen wurde, gerne von Trauergästen zum
Leichenschmaus besucht wurde. Schon zu dieser Zeit, aber auch noch bis in die ersten Jahre
des 20. Jahrhunderts gab es allwöchentlich am Samstag große Vorstellung. Hier trat häufi g die
Gesellschaft Emmerich Zillner, Komponist des bekannten Liedes „Es steht ein alter Nussbaum
drausst in Heiligenstadt“, auf und Paul Meneghini konnte in seiner Posse „Der Herr Vetter aus
Krems“ bewundert werden.
Heute werden solche Veranstaltungen nur noch von wenigen „Feinschmeckern“ besucht, wodurch
die Pflege des Wienerliedes aber auch der Geselligkeit leiden.

 Auszug aus dem Museumsheft 2012/1 zu beziehen im Shop.genaustria.at

 

Markiert in: Musik Musikanten
in Bezirksmuseum Wien 3 Aufrufe: 554 0 Kommentare
Bewerte diesen Beitrag:
3

Kommentare

  • Derzeit gibt es keine Kommentare. Schreibe den ersten Kommentar!

Kommentar hinterlassen

Gast
Gast Montag, 22 Mai 2017

F A Q zum Blog

Q
Wie kann ich hier Blogger werden
A

BloggerUm selber Blogger zu werden, müssen Sie registriert sein. Als Forscher oder als Museumsleiter. Oder als Mitarbeiter, oder auch als Freund eines Museums. Sie haben sicher gemerkt, dass es Maler, Autoren hier z.B. gibt. Sie werden dann vom Administrator freigeschalten.

Q
Kann ich in mehreren Kategorien schreiben
A

Ja, bitte dazu eine Meldung an den Webmaster (webmaster@forschmit.at) schreiben mit der Wunschkategorie

Suche

Aktivste Blogger

Karl Hauer
205 post(s)
Theresia Schaffer
45 post(s)
Karl Boehm
11 post(s)

Unser Partner BDA

Kultur Förderer

Unsere Förderer
Kultur Kontakt - des BMfKK
Der Wiener Stadtschulrat
Die Kulturabteilung der Gemeinde Wien

Unser Shop

Eine reiche Auswahl an Büchern, Zeitschriften, DVD, Druckwerke - besuchen Sie: http://shop.genaustria.at/Buch/Daheim-in-Sitzendorf::474.html