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Freitag, 04 April 2014 10:36

Ein Literaturhaus mit Geschichte

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Eine Abbildung der Henndorfer Pfarrkirche in der Österreichischen Kunsttopographie zeigt das Freumbichlerhaus vor dem Ersten Weltkrieg. Eine Abbildung der Henndorfer Pfarrkirche in der Österreichischen Kunsttopographie zeigt das Freumbichlerhaus vor dem Ersten Weltkrieg. Bundesdenkmal

Hennersdorfer Pfrrkirche

Das „Freumbichlerhaus“ in Henndorf am Wallersee wurde seiner neuen Bestimmung übergeben

 

Lange Jahre bot das kleine denkmalgeschützte Bauernhaus im Ortszentrum der Salzburger Wallerseegemeinde ein sanierungsbedürftiges Bild. Künftig soll in dem im Vorjahr liebevoll restaurierten Geburtshaus von Johannes Freumbichler die große literarische Vergangenheit Henndorfs wiederaufleben.

Das bereits um 1709 urkundlich erwähnte Häusel an der Jägerleiten Nr. 82, heute Freumbichlerhaus genannt, wurde 1985 in vorausschauender Weise von der Gemeinde Henndorf aus privater Hand erworben, obwohl es damals noch keine Nutzungspläne gab. Glücklicherweise durch ein dichtes Dach gesichert, bot das Objekt dennoch für längere Zeit ein renovierungsbedürftiges Erscheinungsbild. Doch erst als der Verein „Literaturhaus Henndorf“ Interesse am historischen Gebäude mit einem vernünftigen Nutzungskonzept anmeldete, fiel der Startschuss zur Instandsetzung des Denkmals, die von vielen engagierten Henndorfern mitgetragen wurde.

Der schlichte, verputzte Holzblockbau mit verbrettertem Giebel und angebauter Tenne mit Stall zeigt im Inneren noch seine originale Grundstruktur. Bis auf das kleine Gewölbe im hinteren Hausteil gibt es in allen Bereichen flache Decken, teilweise mit Unterzügen. Verschiedene erhalten gebliebene Baudetails wie Türen, Fenster, Böden und auch Wandmalereien zeugen von der Qualität ländlicher Handwerkstradition. Den Charme dieses liebenswerten Objekts mit seinen geschichtlichen Spuren galt es in seiner Gesamtheit zu erhalten.

Die viele Facetten umfassende Restaurierung erfolgte nach den Vorgaben des Denkmalamtes. Vorrangig galt es die durch die Hanglage entstandenen Feuchtigkeitsprobleme zu beheben und das Objekt gemäß den statischen Erfordernissen zu sanieren. Stilgerecht und mit viel Liebe zum Detail ist es gelungen, das historische Erscheinungsbild wiederherzustellen. Östlich wurde eine moderne Holzterrasse angefügt, die für Veranstaltungen genützt werden soll. Restauratoren und Handwerker stellten sich mit viel Engagement und Fachkenntnis u. a. den Themen Putze, Fassungen und Holz im Altbau.

Fenster, Türen, Böden und der historische Dachstuhl blieben erhalten und wurden wo immer erforderlich repariert. Erst das Herauslösen der historischen Stiege ermöglichte deren zeitgemäße gelungene Instandsetzung. Weiters wurden die historischen Putze stabilisiert und vor allem im Sockelbereich des Erdgeschoßes ergänzt. Erst durch die lasierende Tünche der Wände mit Sumpfkalk erhielt die Raumschale ihr ursprüngliches Erscheinungsbild wieder zurück. Bunte Blattranken aus der Zeit um 1900 blieben als Dokument in mehreren Räumen als Referenzflächen stehen.

Nach Abschluss der baulichen Instandsetzung im Dezember 2012 wurde das Denkmal seiner neuen Bestimmung übergeben.

Im Geburtshaus Johannes Freumbichlers, des Großvaters von Thomas Bernhard, soll in Hinkunft die große literarische Vergangenheit der kleinen Flachgauer Landgemeinde wieder aufleben. Denn in der Zeit vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs galt der Ort als Zentrum der deutschen Literatur- und Theaterszene. Hier lebten und arbeiteten unter anderem Ödön von Horvath, die Brüder Richard und Carl Mayr sowie Carl Zuckmayer.

„Ein Ort der Begegnungen, an dem das Interesse für Literatur und Geschichte wieder geweckt wird, Jung und Alt mit dem Erbe der Dichter vom Wallersee in Berührung kommen“, das wünscht sich Obmann Wichard von Schöning.

Letztendlich steht das Literaturhaus Henndorf beispielhaft für die mustergültige Restaurierung eines ländlichen Baudenkmals, die in dankenswerter Weise nur durch das Zusammenwirken von Gemeinde, Verein, Bund, Land, Architekt und von vielen Professionisten und Freiwilligen zustande gekommen ist.

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