Viehtrieb beim Zählhaus, um 1850

Der Name der Schlachthausgasse im 3. Wiener Gemeindebezirk erinnert daran, dass sich in diesem Bereich mehr als 150 Jahre lang eine für die damalige Zeit wichtige Versorgungseinrichtung, die manchmal als der Bauch von Wien bezeichnet wurde, befunden hatte.
Als der Viehmarkt am Ochsengries dem Bau des Hafenbeckens für den späteren Wiener Neustädter Kanal nämlich weichen musste, wurde er an den damaligen Stadtrand nach St. Marx übersiedelt. Der Grund für die Wahl dieser Örtlichkeit wird die Tatsache gewesen sein, dass zu dieser Zeit das Lebendvieh aus Ungarn kommend hier vorbei getrieben wurde.

Schweineauftrieb um 1920 1846 wurde mit dem Bau eines Schlachthauses begonnen, dem damals aber in diesem Bereich der Linienwall im Weg war, weshalb dieser stellen- weise abgetragen und außer- halb des Schlachthofbereichs wieder errichtet werden musste. Durch den Anschluss des Schlachthofbereichs an die Eisenbahn - 1872 wurde die so genannte Schlachthausbahn eröffnet - war die bisherige Mühe, die mit der Anlieferung des Schlachtviehs verbunden war, gelöst.

Alltag              Alltag in der Rinderhalle

Ab 1877 wurde die Anlage immer mehr ausgebaut, es entstand die Rinderhalle - als erste Schmiede eisenkonstruktion Wiens wurde sie unter Denkmalschutz gestellt und ist deshalb noch heute erhalten - sowie ein neuer Schweine- und Pferdemarkt. In der Zwischenkriegszeit erreichte die Anlage sowohl ihre größte Aus- dehnung als auch den Höhepunkt ihrer Bedeutung für die Fleischversorgung Wiens. In den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts erkannte man zu Recht, dass die Einrichtungen inzwischen veraltet waren, weshalb der Schlachtbetrieb eingestellt, und das Fleischzentrum St. Marx in der äußeren Baumgasse errichtet wurde.
Der inzwischen nicht mehr bestehende Auslandsschlachthof diente 1975/76 als Veranstaltungsort der Wiener Festwochen-Arena. Trotz vieler Proteste wurde der Auslandsschlachthof von der Stadt Wien abgerissen, der ehemalige Inlandsschlachthof aber wurde den Veranstaltern als Alternative zur Verfügung gestellt, der noch heute als Veranstaltungsort der Arena genutzt wird.

Pferdeverkauf             Pferdeverkauf mit Handschlag

Zu Ende der Neunzigerjahre des 20. Jahrhunderts wurde auch das erwähnte Fleischzentrum aufgelassen. Heute gilt das neue Fleischzentrum des Großmarktes Wien in Inzersdorf als zeitgemäße und zur Zeit modernste diesbezügliche Einrichtung.
Nicht nur die Rinderhalle sondern auch das um 1900 vom Landstraßer Bildhauer Anton Schmidgruber geschaffene Tor in der Viehmarktgasse stehen heute unter Denkmalschutz. Der gesamte Bereich des ehemaligen St. Marxer Schlachthofes wird nun seit dem Ende des 20. Jahrhunderts durch Neubauten, die den verschiedensten Zwecken dienen - von der Wissenschaft über die Medien bis zum Wohnbau - genutzt. Hier zwischen dem 3. und dem 11. Bezirk entsteht in einem Gebiet, das verkehrsmäßig voll erschlossen ist, ein wunderbarer Mix von Einrichtungen verschiedenster Art.

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