Beatrixbad1

Seit einigen Jahren beschäftigt sich eine am Untergrund des dritten Bezirks interessierte Gruppe - Fotografen, Kunst- historiker, Journalisten und Helfer, die ich als Wühlmäuse bezeichne, mit der Erforschung von Kellern und dergleichen (s. Blogbeiträge Untergrund Landstraße und Der Untergrund des dritten Bezirks). Unter anderen Projekten waren sie bereits in den Kellern des ehe- maligen Brauhauses St. Marx im Erdberger Mais und an anderen Stellen tätig. Das spannendste Ergebnis ihrer Forschungsarbeit gelang ihnen an der Anschrift Linke Bahngasse 9 / Beatrixgasse 14B, wo sie das ehemalige Beatrixbad untersuchten. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert prangte eine Werbeaufschrift für das Bad an der damals bestehenden Brücke der Verbindungsbahn im Bereich der Ungargasse (s. unser Foto des Blamauer-Aquarells).

 

In der Tageszeitung Die Presse erschien am 23. Juli 2011 der Artikel

Brücke

Comeback des ältesten Wiener Bades, dem zu entnehmen ist, dass die derzeitigen Hausbesitzer nach der schwierigen Tätigkeit von Thomas Keplinger und seinen Forscherfreunden planen, dieses Kleinod bis zum Herbst 2012 zu reaktivieren. Eines der Fotos, die von der Gruppe während ihrer Arbeit gemacht wurde, zeigt den Zustand des lange Zeit vergessenen Bades.

Zum Schluss drei historische Anmerkungen: 1) Bis 1856 bestand an der Stelle des späteren Beatrixbades die so genannte Stuckbohrerei, in der die roh gegossenen Kanonenrohre gebohrt wurden; die dazu notwendigen Maschinen wurden mit Wasserkraft betrieben (s. unser Beitrag Landstraßer Wassernutzung am Wiener Neustädter Kanal, 1822). 2) Im Gebäude Linke Bahngasse 9 / Betraixgasse 14B, das 1888 vom Architekten Josef von Wieser - übrigens war er auch für die Planung der Elisabethkapelle in der Kleingasse verantwortlich - erbaut wurde, hatte die Süßwarenfabrik Heller ihre erste Erzeugungsstelle; sie betrieb ihre Maschinen mit dem Dampf des Bades. 3) Im Beatrixbad trainierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts der jüdische Schwimmverein Hakkoah