Landstraßer/innen, über die man auch noch heute (manchmal) spricht.

 

Der Autor Anton Kuh

Der an der Weißgerber Anschrift Matthäusgasse 5 geborene Kaffeehausliterat Anton Kuh entstammte einer Prager Journalistenfamilie, der seine Artikel - Satiren und Prosastücke, in denen er sich als Pazifist und Demokrat kritisch mit seiner Zeit auseinandersetzte - nicht nur unter seinem Namen sondern auch unter dem Pseudonym Yorick veröffentlichte. Er würdigte als einer der ersten die Bedeutung seines Zeitgenossen Franz Kafka und warnte schon in den Zwanzigerjahren seherisch vor dem Mitteleuropa drohenden rechten Faschismus.

Seine Stegreifreden, die von vielen seiner Bewunderer gestürmt wurden - unter anderem hielt er im Jahre 1926 im Wiener Konzerthaus die denkwürdige Rede Der Affe Zarathustra, in der er sich polemisch mit Karl Kraus, dessen Eitelkeit und Publikumsverachtung auseinandersetzte - veranlassten Kurt Tucholsky ihn als Sprechsteller zu bezeichnen. Zwei Wochen vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Österreich - dem so genannten Anschluss - fragte er in seiner letzten Veranstaltung : “Sind die Juden intelligent?” und setzte fort: “Wenn ja, rettet Euch. Es ist höchste Zeit!”

Kuh lebte 1928 bis 1933 in Berlin, nach der Machtübernahme durch die Nazis wechselte er zwischen Prag und Wien, wo er im ehemaligen Hotel Beatrix - Landstraßer Hauptstraße 10 - ein Dauerzimmer gemietet hatte.

1938 emigrierte Anton Kuh in die USA - die Nazis bezeichneten ihn als Kulturbolschewik - und starb er in New York.

Es gibt leider keine Gedenktafel für den bedeutenden Literaten in unserem Bezirk; seit 2002 erinnert wenigstens der Anton-Kuh-Weg an ihn.