Interessante Landstraßer Persönlichkeiten, die im St. Marxer Friedhof beerdigt wurden (10)

CobenzlEin mit einer Inschrift in lateinischer Sprache versehener Grabstein in der Form, die an eine griechische Stele erinnert, bezeichnet die Stelle, wo der Diplomat Johann Philipp Graf Cobenzl (1741-1810) beerdigt wurde. Er war als Vizestaatskanzler, der die Agenden eines Außen- ministers ausübte, einer der engsten Mitarbeiter Joseph II., der ihn auch 1782 zu den Verhandlungen mit dem aus Rom angereisten Papst Pius VI. - dieser kam nach Wien, weil er wegen der toleranten Haltung Joseph II. gegenüber nichtkatholischer Religionen und dessen Klosteraufhebungen beunruhigt war - zuzog. Um 1773 kaufte Cobenzl ein großes Grundstück auf dem Reisenberg, wo sich zuvor eine Niederlassung der Jesuiten befunden hatte und errichtete hier ein Schlößchen samt Garten sowie eine Meierei, deren Erzeugnisse in Wien verkauft wurden. Die Anlage war öffentlich zugänglich, und beispielsweise Mozart schwärmte von dem wunderschönen Ausblick auf die Stadt und die Donau von dort oben. Bald bezeichneten die Wiener die Gegend Am Cobenzl. Nachdem Joseph II. 1790 und sein Bruder und Nachfolger Leopold II. 1792 gestorben waren, wurde dessen Sohn als Franz II. zum neuen Kaiser gekrönt, der den liberalen Cobenzl - inzwischen war dieser als Nachfolger Kaunitz Staatskanzler geworden - 1793 absetzte und Franz Maria von Thugut zum neuen Staatskanzler machte. Von 1801 bis 1805 war Cobenzl österreichischer Gesandter in Paris; das war die Zeit, nachdem Napoleon durch den Staatsstreich vom 18. Brumaire die Macht als Erster Konsul in Frankreich übernommen hatte. Als die Franzosen 1809 Wien eroberten, wurde Cobenzls Besitz auf dem Reisenberg zerstört. INFO: Der ausführliche neue Führer durch den St. Marxer Friedhof mit beigelegtem Orientierungsplan liegt nun für Interessenten vor. Sie können diesen im Bezirksmuseum Landstraße oder im Onlineshop erwerben.