Landstraßer/innen, über die man auch heute noch (manchmal) spricht (4)

Jura SoyferJURA SOYFER (1912-1939), der bedeutendste politische Schriftsteller Österreichs der Dreißigerjahre

1921 flüchtete die Familie Soyfer vor der bolschewistischen Revolution aus Charkow nach Österreich, und ein Jahr später trat Jura ins Gymnasium in der Hagenmüllergasse ein, wo er 1930 maturierte.

Schon im Alter von 15 Jahren - inzwischen war er nach dem Studium sozialistischer Schriften zum Marxisten geworden - trat er dem Verband der Sozialistischen Mittelschüler bei. Noch während seiner Schulzeit wurde er Mitglied des Politischen Kabarett der Sozialdemokraten, wodurch er Erfahrung im szenischen Schreiben erlangte. Ab 1931 erschienen allwöchentlich seine politische Satiren in der Arbeiter Zeitung, und er war auch ständiger Mitarbeiter in der sozialdemokratischen Wochenzeitung Der Kuckuck. Er forderte in seinen Schriften eine Politisierung des Theaters.

Nach den Februarkämpfen des Jahres 1934 wurde er Mitglied der illegalen kommunistischen Partei, für die er Flugschriften verfasste und mit dem Schreiben seines Romans So starb eine Partei - der unvollendet blieb - begann. 1935 lernte Soyfer durch seinen Freund Hans Weigel den Schauspieler und Regisseur Leon Askin kennen, der im Wiener Theater ABC tätig war. Von nun an schrieb der junge Autor Theaterstücke für das ABC. 1937 wurde Jura Soyfer verhaftet und kam erst am 17. Februar 1938 anlässlich der Amnestie für Politische wieder frei. Er versuchte am 13. März 1938 gemeinsam mit einem Freund die Grenze zur Schweiz illegal zu überschreiten. Sie wurden verhaftet und ins Landesgericht Feldkirch gebracht, von wo man Soyfer am 23. Juni 1938 ins KZ Dachau überstellte. Im Herbst kam er ins KZ Buchenwald, wo der junge Mann am 16. Februar 1939 an Typhus starb.

Die besondere Tragödie seines Todes besteht in der Tatsache, dass seine Eltern, die bereits vor dem 12. März 1938 in die USA emigriert waren, für ein Affidavit gesorgt hatten, das seine eventuelle Entlassung aus dem KZ und seine Emigration in die USA bewirkt hätte. Eine Gedenktafel an der Fassade seiner ehemaligen Schule in der Hagenmüllergasse erinnert an ihn. 1968 wurde im 10. Bezirk eine Gasse nach ihm benannt.

Das Bezirksmuseum Landstraße brachte 2004 die Ausstellung Jura Soyfer, wohnhaft Wien III. Bitte lesen Sie weiter auf unserer Museumsseite

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