Interessante Landstraßer Persönlichkeiten, die im St. Marxer Friedhof beerdigt wurden (5)

 

VUK stefanovic karadzic-porträt (3)Im Areal der griechisch und serbisch-orthodoxen Gräber findet man den in kyrillischer Schrift gekennzeichneten Stein für Vuk Stefanovic Karadzic (1787-1864).

Der gebürtige Serbe kam 1814 nach dem 2. serbischen Aufstand gegen die Türken nach Wien, wo er den slowenischen Sprachforscher Bartholomäus Kopitar (damals wohnhaft im Elisabethinen-Wohnhaus auf der Landstraße), den Vater der Slawistik, kennen lernte.
Vuk, der Sohn einer serbischen Bauernfamilie, hatte als Kind keine Schulbildung genossen, wohl aber aus eigener Initiative die kirchenslawische Schrift lesen und schreiben erlernt. Kopitars Tätigkeit begeistert ihn derart, dass er sich näher mit seiner Muttersprache beschäftigt. Schließlich hat er nicht nur, angeregt von Jacob und Wilhelm Grimm, serbische Volksmärchen, Liedtexte, Sprichwörter und so weiter gesammelt, sondern auch nach seinem Grundsatz "schreibe wie du sprichst" ein modernes serbisches Alphabet in kyrillischen Schriftzeichen geschaffen.
In dieser Schriftsprache verfasste er ein Wörterbuch in Serbisch, Latein und Deutsch und übersetzte das Neue Testament. Im Verlauf seiner Forschungen hatte er nicht nur mit den Brüdern Grimm, sondern auch mit Johann Wolfgang von Goethe, dem deutschen Historiker Leopold Ranke und dem Dichter Johann Gottfried Herder wissenschaftlichen Kontakt. Karadzic heiratete 1818 die Wienerin Anna Kraus, mit der er 13 Kinder hatte.
Nur ihre Tochter Wilhelmine (1828-1894), genannt Mina, die in der Landstraßer Rochuskirche getauft wurde, erlebte das Erwachsenenalter. Sie unterstützte nicht nur den Vater bei seinen Forschungen, sondern hatte auch eine solide Ausbildung als Malerin. Karadzic starb im Haus 3, Marokkanergasse 3, wo es für ihn eine Gedenktafel gibt.
Er wurde auf dem St. Marxer Friedhof beigesetzt. 1998 wurde sein Leichnam nach Belgrad in ein Ehrengrab überführt. Das ehemalige jugoslawische Kulturinstitut stiftete für den großen Sohn des Landes ein Denkmal, das sich vor dem Haus 3, Rasumofskygasse 22 befindet. An seinem letzten Wohnhaus auf der Landstraße, Marokkanergasse 3, gibt es eine Gedenktafel für den großen Mann.

INFO: Der ausführliche neue Führer durch den St. Marxer Friedhof mit einem beigelegten Orientierungsplan liegt nun für Interessenten vor.
Sie können diesen im Bezirksmuseum Landstraße oder im Onlineshop erwerben.